Hundestrand Travemünde

Viel(e) Versprechen(d)

Nachdem der Hundestrand am Brodtner Ufer in Travemünde im vergangenen Jahr in die Schlagzeilen geraten war, weil auf dem glitschigen Steg mehrere Hunde verunglückt waren, wurde in Travemünde ein Regionalteam der Hunde-Lobby ins Leben gerufen und eine Petition auf change.org an Uwe Kirchhoff, den Chef der Kurverwaltung Travemünde, für einen sicheren Hundestrand gestartet. Der Forderung der Hunde-Lobby nach einem Gespräch mit allen Verantwortlichen kam die Kurverwaltung am 17. Juli 2023, fast ein Jahr später, nun endlich nach.

Dialogforum der Kurverwaltung Travemünde

Anwesend waren Kurdirektor Uwe Kirchhoff, Wirtschafts- und Sozialsenatorin Pia Steinrücke, Vertreterinnen und Vertreter der Hunde-Lobby Travemünde, mehrere Strandkorbvermieter, die Leitung der Naturschutzbehörde Lübeck und der Leiter des DLRG Lübeck.

Erläutert wurde die rechtliche Situation der Hundestrände Priwall und Brodtener Winkel. Der Konflikt zwischen Hundehalterinnen und -haltern und grillenden bzw. feierwütigen Gruppen kam ebenfalls zur Sprache, genau wie die Rolle des Ordnungsamtes, das Menschen, die am Grünstrand nicht mehr grillen dürfen, geregelt zum Hundestrand schickt. Alles kam auf den Tisch – von den Pöbeleien und Übergriffen von Grillenden vornehmlich gegenüber Spaziergängerinnen mit Hund, über vermehrte Tierarztkonsultationen, weil Hunde Grillreste oder Hühnerknochen gefressen haben, bis zur Waldbrandgefahr, die sich inzwischen massiv erhöht hat. Auch die Forderung der Hunde-Lobby nach mehr Präsenz von Ordnungsamt oder Sicherheitskräften am Strand, damit sich die dortige „Partymeile“ nicht immer weiter zum rechtsfreien Raum mit offenen Feuern und Wildcampern entwickelt, wurde diskutiert.

Beratungen im November

Nun wird die Naturschutzbehörde prüfen, ob die Waldverordnung am Brodtener Ufer zum Tragen kommen kann, so dass dort keine Feuer mehr entzündet werden dürfen. Die Idee, der Strandkorbvermieter, ein Stück des Kurstrandes in der Nähe der Seebrücke als Hundestrand auszuweisen, fand die Zustimmung der Kurverwaltung und der Hunde-Lobby. Senatorin Steinrücke sagte zu, diese Initiative wohlwollend zu prüfen und die zuständigen Stellen einzubeziehen. Im November werde das Thema dann in die Beratung in der Bürgerschaft gehen.

Grillen und Hunde – das passt nicht zusammen

Ob und wann es tatsächlich einen Hundestrand am Hauptstrand geben wird, steht in den Sternen. Genauso wenig sicher ist, ob das Grillen am Brodtner Ufer je verboten wird, denn bis auf die CDU-Fraktion haben sich alle anderen Fraktionen gegen ein Grillverbot ausgesprochen. Bis dahin bleibt es für Travemünder Hundehalterinnen und -halter und für Urlauber und Urlauberinnen mit Hund dabei, dass sie sich das 200 Meter lange Stückchen Strand mit Grillenden und Feiernden teilen müssen und, dass sich Frauen besonders am Wochenende dort nicht mehr sicher fühlen, weil sie dort bedroht, beschimpft und ihre Hunde mit Steinen und Flaschen beworfen werden. Wegen Personalengpässen empfehlen Polizei und Ordnungsamt den Frauen auf Nachfrage „sich deeskalierend zu verhalten und den Strand zu verlassen“! Angesichts von Hundesteuereinnahmen von mehr als 100.000 Euro jährlich, ein jämmerlicher Rat, dass sich Menschen mit Hund vom Hundestrand fernhalten sollen. Aber, wenn erst einmal der Wald brennt, weil ganze Baumstümpfe und anderes Gehölz als Grillanzünder missbraucht werden, hat sich das Thema Hundestrand am Brodtner Ufer möglicherweise von selbst erledigt.

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