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Haben Radfahrer in Hamburg Narrenfreiheit?

Hamburg soll zur Fahrradstadt werden – das will die Politik und das wollen auch viele Bürger und Bürgerinnen. Doch wie kann es sein, dass die Radverkehrsföderung häufig zulasten des Fußverkehrs durchgeführt wird?

Haben Radfahrer in Hamburg Narrenfreiheit?

Leider erleben wir in Hamburg gerade, dass viele Radfahrer auf Gehwegen oder in Grünanlagen unterwegs sind. Dabei herrscht ein zunehmend aggressives Klima, bei dem nicht selten Fußgänger einfach „weggeklingelt“ oder mit hohen Geschwindigkeiten passiert werden.

Hier ein paar Beispiele:

  • das Ehepaar B. steigt nachts in Harburg aus seinem Auto. Zwei kleine Papillons an der Leine – als ein Radfahrer dicht an ihnen vorbeifährt und Herrn B. die Leine aus der Hand reißt. Diese wickelt sich unglücklicherweise um das Rad und einer der Hunde wird zu Tode geschleift. Der Radfahrer fährt weiter.
  • Barbara M. – an zwei Krücken laufend – wird auf dem Gehweg Ohlsdorfer Str. von einem Lieferfahrrad – auf der falschen Straßenseite fahrend – auf die Fahrbahn gedrängt
  • am Alsterlauf – Nähe Café Alsterwiesen – wird ein kleiner Hund, aus dem Wasser kommend – von einem Rad erfasst und totgefahren.
  • In der Ohlsdorfer Str., Höhe der Recycling Container, geht Monika R. mit einem angeleinten Hund an der Fußgängerampel bei Grün über die Straße, als ein Radfahrer abrupt neben ihr bremst.  „Och, jetzt hätte ich ja fast den Hund totgefahren.“ Frau R. verweist auf ihre grüne und seine rote Ampel und er antwortet: „Das gilt doch nicht für Radfahrer!“
  • Sabine E. geht mit ihrem Hund an kurzer Leine zu ihrem Auto, als ein Lieferfahrrad mit Tempo auf dem Bürgersteig auf sie und ihren Hund zufährt. Sie flüchtet sich in ihr Auto. Der Radler bepöbelt sie und schlägt auf ihr Auto ein. Strafanzeige gegen Sabine E., weil der dackelgroße Hund den Radler angeblich ins Knie gebissen habe.
  • Wieder Barbara M. – die Frau hat echt Pech! Sie geht auf dem Fußweg Barmbeker Str., als ein Radler von der Buchenstr. kommend, mit solcher Geschwindigkeit an ihr vorbeirast, dass sie ins Taumeln gerät und fast hinfällt.
  • Nachts, Ecke Barmbeker/Maria-Louisen-Str., fährt ein Radler ohne Licht bei Rot über die Kreuzung. Ein Streifenwagen steht in der Maria-Louisen und tut nix!
  • In Bönningstedt bei Hamburg geht eine Mutter mit ihren drei Kindern und einem jungen Bichon Frisé auf dem Bürgersteig. Eine e-Bike-Fahrerin nähert sich mit hoher Geschwindigkeit, fährt die kleine Hündin tot und entzieht sich ihrer Verantwortung durch Fahrerflucht.

Nicht nur unter Fußgängern, sondern auch unter Hundehaltern wächst die Wut über die legale und noch öfter illegale Aneignung ihres Raums durch das Rad. Die derzeitige Praxis in Hamburg, in aller Regel beide Augen zuzudrücken, fördert ein Klima der Rücksichtslosigkeit. Doch wie für alle anderen Verkehrsteilnehmer gilt auch für Radfahrer in Hamburg die Grundregel des § 1 StVO, nach der die Teilnahme am Straßenverkehr ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht erfordert. Insbesondere auf Gehwegen und in Grünanlangen muss die Sicherheit der Fußgänger stets Vorrang haben. Und gerade bei einer unklaren Verkehrslage muss gegebenenfalls durch Blickkontakt eine Verständigung mit dem Fußgänger gesucht werden. Erforderlichenfalls muss Schrittgeschwindigkeit gefahren werden, damit ein sofortiges Anhalten möglich ist, oder sogar vom Fahrrad abgestiegen werden.

Ein Unfall zwischen einem Radfahrer und einem Fußgänger kann theoretisch ganz erhebliche Schadensersatz- und Schmerzensgeldansprüche nach sich ziehen!  Doch Anzeigen gegen geflüchtete Radfahrer werden oft wegen Aussichtslosigkeit eingestellt, weil die Unfallverursacher mangels Kennzeichen am Fahrrad nicht ermittelt werden können. Zur Sicherheit der Hamburger und Hamburgerinnen vor Hunden, ist es der Stadt seinerzeit gelungen, eine Registrierungs-, Kennzeichnungs- und Versicherungspflicht für Hunde einzuführen. Wann endlich werden ähnliche Pflichten für Radfahrer umgesetzt?

Foto: 123rf/juver123

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