Tschüss Rasseliste

Tschüss Rasseliste

Mehr als 300 Zwei- und fast ebenso viele Vierbeiner demonstrierten für die Abschaffung der Rasseliste. Fotos: Michael Wahlert

Unter dem Motto Tschüss Rasseliste waren gestern  mehr als 300 Zwei- und fast ebenso viele Vierbeiner auf dem Hamburger Rathausmarkt dabei, um die Forderungen an die Hamburger Regierung nach Abschaffung der Rasseliste zu unterstützen. Etliche Hundehalter/Innen waren mit ihren Staff’s und Pitti’s aus Niedersachsen oder Schleswig-Holstein gekommen, um ihre Solidarität mit den Hamburgern zu zeigen. Aber auch viele Mischlinge und Rassehunde, die nicht auf der Liste stehen, waren mit ihren Menschen dabei, um gegen das Unrecht der Rasselisten zu demonstrieren.

Vor 16 Jahren hat alles angefangen

Am 26. Juni 2016 jährte sich der Tag, an dem alles angefangen hat, zum 16. Mal. Vor 16 Jahren ist der kleine Volkan auf dem Schulhof der Schule Buddestraße in Wilhelmsburg ums Leben gekommen. Er starb nicht, weil Gipsy und Zeus so bösartige Hunde waren. Nein, der kleine Junge wurde das Opfer von zwei Hunden, die von ihren Haltern auf verantwortungslose Weise als Kampfmaschinen missbraucht wurden. Volkan musste sein Leben aber auch lassen, weil untätige und noch verantwortungslosere Bürokraten von der Gefährlichkeit der Hunde wussten, nichts unternahmen und dem Treiben dieser Hundehalter tatenlos zuschauten. Der Tod des kleinen Volkan war vermeidbar. Doch zugeben will das bis heute niemand.

In der Folge wurden zahllose friedliche Hunde aus ihren Familien gerissen. Viele von uns erinnern sich noch mit Grauen an die Harburger Halle, in der hunderte von Hunden eingepfercht wurden – und nicht wenige verloren auf Anordnung der Behörden ihr Leben.

Rasselisten: Ein geistiger und fachlicher Offenbarungseid

Tschüss Rasseliste

Die Trägerin des Tierschutzpreises, Maribel Rico, moderierte die Veranstaltung.

Vor zehn Jahren, am 1. April 2006, ist das von der Behörde für Wissenschaft und Gesundheit vorgelegte Hundegesetz in Kraft getreten. Ein geistiger und fachlicher Offenbarungseid, den bis heute Pitti, Staff & Co. ausbaden müssen. In Hamburg ist das Halten dieser liebenswerten Hunde auf legale Weise nahezu unmöglich geworden und man kann an einer Hand abzählen, wie viele Haltungsgenehmigungen hier in der Freien und Hansestadt in den letzten Jahren für Listis erteilt wurden. Wer einen Pitti oder Staff legal halten möchte, dem bleibt nur eins: der freien und Hansestadt Hamburg den Rücken zu kehren.

Scheinsicherheit, um Hysteriker zu beruhigen

Der Senat wollte eine Scheinsicherheit verkaufen, um die Hysteriker zur Ruhe zu bringen. Und, dass in den letzten Jahren kein Hund dieser Rassen mehr in einen Beißvorfall verwickelt war, wird bis heute als Erfolg einer lebensverachtenden Rassepolitik verkauft. Von einer Behörde, die die Wissenschaft im Namen trägt, hätte man eigentlich erwarten können, dass sie zunächst einmal die Tatsachen zur Kenntnis nimmt und danach handelt. Und Tatsache ist nun einmal, dass kein Hund gefährlich zur Welt kommt. Tatsache ist aber auch, dass verantwortungslose Halter nahezu jeden Hund zu einer gefährlichen Kampfmaschine machen können.

Tschüss Rasseliste: von benachbarten Bundesländern lernen

Doch während rund um Hamburg herum, diese Scheinsicherheit von den politisch Verantwortlichen erkannt wurde und die Rasselisten zugunsten von Halterprüfungen gar nicht erst eingeführt oder inzwischen wieder abgeschafft wurden, halten Bürgerschaft und Senat – allen voran unser 1. Bürgermeister Olaf Scholz – an unsinnigen Rasselisten fest, die keinerlei wissenschaftlicher Beurteilung standhalten. Wen wundert’s, war er doch vor 16 Jahren noch Innensenator und damit verantwortlich für das Versagen der Ordnungskräfte im Fall Volkan.

Beißstatistiken ohne Aussagekraft

Kein Argument zieht, obwohl Wissenschaftler bestätigen, dass Kat Hunde keine grundsätzlich gefährlichen Hunde sind. Selbst die Hamburger Amtsveterinäre haben sich bei der letzten Evaluierung für eine Änderung des Gesetzes ausgesprochen. Politiker haben seinerzeit sogar einem Wesenstest beigewohnt und konnten sich über die immensen Hürden klar werden, die ein Kat Hund erfüllen muss, um als „normaler Hund“ zu gelten. Doch keiner hatte den Mut, etwas am Hamburger Hundegesetz zu ändern. Stattdessen dreht sich die Politik die „Beißstatistik“ so zurecht, dass sie irgendwie passt.

Aber was sagt denn eine Beißstatistik aus, in der nur wiederwillig Daten gesammelt werden. Wenn es schon als Beißvorfall gilt, wenn jemand über eine Flexileine stolpert? Wenn nicht einmal richtig erfasst wird, was genau passiert ist. In mehreren Anfragen zu dieser Statistik in den letzten Jahren konnten diese Fragen nicht beantwortet werden, weil keine qualifizierten Daten erfasst wurden. Trotzdem wird diese vollkommen unzureichende und lächerliche Statistik herangezogen, um ein falsches Gesetz zu legitimieren.

Ausbaden müssen es die Hunde

Tschüss Rasseliste

Die Hunde-Lobby zeigte Flagge für die gelisteten Rassen.

Viele haben sich mit dem Gesetz arrangiert, Lücken gefunden und Erfahrungen gesammelt. Zu diesen Erfahrungen gehört in erste Linie, dass wir wie damals schon wieder ein Vollzugsdefizit haben. Spätestens seit dem Wegfall des BOD, müssen wir Hundehalter nur noch selten mit Konsequenzen rechnen, wenn wir uns nicht an die gesetzlichen Regelungen halten. Das macht sich auch bei den Hunden bemerkbar, die auf der Rasseliste stehen.

Wer von uns kennt nicht mindestens einen Pit oder Staff, der als Bulldog-Boxer-Mix registriert ist? Und wer von uns kennt nicht Gegenden in dieser Stadt, wo Pittis und Staffs zuhauf – vornehmlich in den frühen Morgen- oder den späten Abendstunden – und ohne Leine herumlaufen? Diese Hunde stammen häufig aus dubiosen Quellen und sind nicht versichert. Ihre Halter machen sich keinen Kopf darum und setzen darauf, schon nicht erwischt zu werden. Die Chancen stehen ja auch nicht schlecht, denn wieder einmal kümmert’s die Bürokraten nicht. Doch wer hier in Hamburg einen so genannten Kategorie-I-Hund illegal hält, spielt mit dem Wohl seines Hundes. Denn wenn dann doch mal einer erwischt wird, ist das Geschrei groß. Ausbaden müssen es die Hunde, die dann mit ungewisser Zukunft in der Süderstraße landen.

Wir haben in den letzten Jahren erlebt, wie mit ‚dem besten Freund des Menschen‘ in dieser Stadt umgegangen wird. Und wir haben erlebt, wie mit uns Menschen, die wir diese Hunde lieben, umgegangen wird. Da darf sich die Politik nicht wundern, wenn auch die friedlichsten Hundehalter zu Wutbürgern werden.

 

Video: Daniela Jensen auf Youtube

Ein Kommentar

  1. Daniela Jensen

    Hi vielen dank das Ihr mein Video hier veröffentlicht habt 🙂
    gglg Daniela Jensen

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